Theater an unserer Schule: Die Actors’ Group und Projektkurs S-II

 

 

Theater in Corona-Zeiten

WIR SIND NOCH EINMAL DAVON GEKOMMEN  

von Thornton Wilder

Ein Inszenierungsversuch des Projektkurses und der Theater AG 2020/21

  

Zweites Halbjahr 12. Klasse: 14 motivierte Schüler*innen, die eigentlich keinen Bock auf Facharbeit haben, werden von Annette vom Projektkurs Theater überzeugt.  

 Unser Projekt bestand ursprünglich aus einer eigenen Theaterinszenierung mit dem Thema Zukunft: Future 2.0.  Ideen für eine Handlung kamen aus Zeitungsartikeln über die beginnende Coronakrise und die Angst vor asiatischen Mitbürgern, aus Adis Nacherzählung von Wall-E und der Serie Black Mirror.  

 Und dann Schock – Lockdown, Schulschließung, dabei waren wir doch gerade erst warm geworden?!  

Nach langen Monaten ohne Theater musste schnell eine Entscheidung her, wir mussten nun mal irgendetwas aufführen. Die anderen hatten ihre Facharbeiten ja jetzt schon lange geschrieben. 

Annette nahm die Zügel in die Hand und stellte uns mit Abstand, der mit Hilfe von Hildas Poolnudeln (sponsored by OBI) auch brav eingehalten wurde, unser Stück vor:  

 Wir sind noch einmal davon gekommen

von Thornton Wilder 

 Annettes erste Inhaltsangabe hörte sich nach einem klassischen Krisenfilm an: Mehrere Katastrophen, Sintflut, Eiszeit, Krieg und eine Familie mit einem Dinosaurier mittendrin.  

 Aber trotzdem – wir waren motiviert und hatten Ideen für ein meisterhaftes Projekt!

 Um euch einen Eindruck zu vermitteln, was wir als Ersatz für eure harten Arbeitsstunden an der Facharbeit gemacht haben, hier eine Theaterstunde: 

 → Donnerstag 16:30 Uhr – wir treffen uns in der Schulstraße und essen. Mit leerem Magen funktioniert eben nichts. 

→ 16:35 Uhr – Hilda (for president!!) düst motiviert an uns vorbei 

→ 16:40 Uhr – wir kommen zu spät und bis 17:10 Uhr sind dann auch wirklich alle da, auch Lotte, leicht angekatert ;). 

→ bis 18:00 Uhr werden wir von Hilda richtig heiß gemacht. Unser Aufwärmen bestand aus Sätze-Brüllen, Farben-Verkörpern und theatralischem Zu-Boden-Stürzen. Was manchmal an Vertrauensübungen erinnerte, schweißte uns als Gruppe echt zusammen und machte wirklich Spaß. 

 Die Rollenaufteilung änderte sich zwar Woche für Woche, mit Begründungen wie: „Amélie du siehst eher wie eine Schönheitskönigin aus als Lilly“, „Ida, du hast was von Trump“ und „Jetzt, wo deine Haare blond sind, Lotte, passt du nicht mehr in die Rolle“, sah final dann aber so aus:

 

Familie Antrobus:  Adam Antrobus (der Vater) 1. und 2. Akt Sophie; 3. Akt Meret - Eva Antrobus (die Mutter) 1. und 3. Akt Amélie; 2. Akt Lotte - Henry (bzw. Kain) Antrobus (der Sohn) 1. und 2. Akt Florian; 3. Akt Timo - Gladys Antrobus (die Tochter) 1. und 2. Akt Lisa; 3. Akt Lilly - Lillith (die Haushälterin, Nutte und Affäre) 1. Akt Lilly; 2. und 3. Akt Ida I. - Dinosaurier und Mamut (die Haustiere) Timo, Ida I. und Meret 

Andere: Regiesseurin Ida P. - Wahrsagerin Ida P. - Rollstuhlfahrer Adis 

Für Technik und Bühne (weiße Pappkartons) waren Adis und Efe zuständig. 



So verwirrend wie das aussieht, war es auch. Aber schnell identifizierten wir uns mit unseren Charakteren, vor allem Ida I.s, Merets und Timos „Hunger!“ und „Mir ist kalt!“ wurde immer authentischer. Zwischendurch halfen Annettes Kekse und Gummibärchen die Stimmung zu halten. 

 → 18:00 bis 19:00 Uhr in Kleingruppen üben wir einzelne Szenen. Es wird zwischendurch ausgewürfelt, wer mal nach einer Pause fragen soll… „Timo, die kennen dich am besten, mach mal bitte!“ 

→ ab 19:00 Uhr kleine Pause und ab zu Burger King. 

→ 19:30 Uhr fertig gegessen werden die Szenen vorgestellt. Am schönsten ist es, wenn Ida I. wieder Nutte sein darf.

Weit kommen wir aber leider nie, weil Masken, Faceshields und die Raumsituation uns das richtige Arbeiten erschweren.  

 Mit dem zweiten Lockdown wurde immer deutlicher, dass unsere Motivation und Mühen dem Virus nicht standhalten konnten. Leider haben wir es bis jetzt nicht geschafft unser Stück fertig zu stellen oder gar aufzuführen. Vielleicht war das die eine Vision der Zukunft, die wir am Anfang des Projektkurses nicht gesehen haben: Dass ein kleines Virus uns doch alle lahmlegt und einfach so davonkommt.  

 Es war eine super witzige Zeit, in der wir viel Spaß hatten. Es hat sich definitiv gelohnt den Projektkurs zu wählen und wir werden es wirklich vermissen!  

 Von Amélie Mölleken, Lisa Bab, Florian Kluczynski und Sophie Süsterhenn

 

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Seit ihrer Gründung im Jahre 1999 hat die THEATER-AG der Gesamtschule Köln-Holweide mit zahlreichen Inszenierungen bei Schülerinnen und Schülern, Freunden, Eltern und Lehrern ein begeistertes Publikum gefunden und durch die positive Darstellung in den Medien und die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben auch überregional auf sich aufmerksam gemacht.

Jede Woche treffen sich die 20-30 jungen DarstellerInnen im Alter von 14 bis 18 Jahren um in einer zweistündigen Probe durch praktische Übungen ihr theatrales Ausdrucksvermögen zu entfalten, Stoffe und Stücke zu entwickeln und ihre Produktionen zu erarbeiten. Erweitert wird das Trainingsangebot um regelmäßig stattfindende Wochenendworkshops zu verschiedenen Aspekten der Theaterarbeit. Etwa einmal im Jahr wird eine neue Inszenierung herausgebracht.

Im Zentrum der Arbeit stehen die Schülerinnen und Schüler mit ihren jeweils speziellen Fähigkeiten. In der sehr heterogenen, jahrgangsübergreifenden Gruppe lernen jüngere und ältere, behinderte und nichtbehinderte, zurückhaltendere und kontaktfreudigere Schülerinnen und Schüler miteinander zu arbeiten und gemeinsame Ziele zu formulieren und zu erreichen. Die oft interdisziplinären Ergebnisse zeugen von ihrer Vielfalt an gesanglicher, tänzerischer, darstellerischer und musikalischer Gestaltungsfreude.

In der Theater-AG werden spielerisch vielfältige Kompetenzen entwickelt, die für die Schülerpersönlichkeit von nachhaltigem Vorteil sind. Bildnerische Phantasie kommt hier ebenso zur Anwendung wie Organisationstalent, Sozialkompetenz und die Freude am Schreiben und Formulieren.

In intensiven Körpertrainings, Stimmübungen, Improvisationen und Workshops zu bestimmten Techniken oder Themen werden diese Fähigkeiten ausgebaut und weiter entwickelt. Die SchülerInnen verfolgen dabei mit viel Engagement, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein ihr gemeinsames Ziel: die Aufführung ihrer Arbeit.

Zusätzlich bekommen die Schülerinnen und Schüler Einblicke und Anbindungen an  Kultur- und Theaterangebote der Stadt und Region. Es finden regelmäßig gemeinsame Theaterbesuche statt, und es werden sowohl Hospitationsmöglichkeiten und Praktika vermittelt als auch Kontakte zu außerschulischen Projekten (v.a. der Theatergemeinde und des Kölner Schauspielhauses) hergestellt.

So erweist sich die Mitwirkung in der THEATER-AG als eine nachhaltige Lebenserfahrung und bietet nicht selten eine Möglichkeit zur Berufsorientierung.

Proben: jeden Donnerstag von 16:30-18:30 Uhr

Teilnahme: ab 8. Jahrgang nach Absprache mit Hilda Dieker-Muth und Annette Decker

Annette Decker / Hilda Dieker-Muth

Inszenierungen in den Jahren 2000-2021:

Schäl sick Revue 2000 - Eine nachdenkliche und furiose Zeitreise durch die Geschichte der rechten Rheinseite - Premiere: Juni 2000

Grenzen grenzenlos - Eine Szenencollage zu Grenzen im Alltag – Premiere:  April 2002

Still girls - einfach Mädchen - Ein Stück gegen Mobbing in der Schule – Premiere: Juni 2003

Please hold the line Bitte bleiben Sie dran - Ein Stück über die Langeweile im Alltag – Premiere: Juli 2004

Einfach nur leben! – Ein Stück der Actors' Group über den Umgang von Jugendlichen mit HIV und Aids und ein Blick über den Zaun auf das Problem Aids auf dem afrikanischen Kontinent – Premiere: März 2005

Verweile doch, du bist so schön – Goethes Faust konzentriert auf die Geschichte von der Liebe von Faust und Gretchen – Premiere: Mai 2007

Delayed – Szenen zu den Motiven Liebe / Macht / Tod ausgewählt und bearbeitet aus den Dramen von William Shakespeare – Premiere: Mai 2008

Grenzen.los – Ein Stück über Sinnsuche, Freundschaft, Verantwortung und Streit – Premiere: Mai 2009

Medeas Kinder - Der Mythos von der Kindsmörderin aus der Sicht der Kinder erzählt - Premiere: März 2010

Der zerbrochne Krug - Lustspiel von Heinrich von Kleist - Premiere: November 2011

Grauzone - Performance über die Endstation vieler Träume und Lebenswege - Premiere: Juni 2013

NICHTS.MACHT.SINN. - Ein Stück der Actors' Group unter Verwendung von Motiven aus dem Roman "NICHTS was im Leben wichtig ist" von Janne Teller - Premiere: Juni 2015

Making of Schneewittchen - Ein Stück der Actors' Group - Grimms Märchen "Schneewittchen und die sieben Zwerge" einmal anders erzählt - Aufführungen: Juni 2017

Kinder des Dschihad - Ein Stück der Actors' Group über Terrorismus, Freundschaft und Verrat - Premiere: Juli 2018 - WA: Januar 2019

Improvisationen zum Thema Plastikmüll in den Weltmeeren - Mitglieder der ACTORS' GROUP - Frühjahr 2019 - Probenvideo